Standentwicklung C41

Standentwicklung. Im Schwarzweiß Prozess ist sie ja wahrscheinlich jedem mal in die Quere gekommen, vielleicht hat es der ein oder andere auch mal ausprobiert. Ich persönlich entwickle tatsächlich so den Großteil meiner Negative. Aber Standentwicklung im pingeligen C41 Prozess? Wie soll das gehen? Das geht ziemlich einfach sogar.

Drauf gekommen bin ich schon vor ein paar Jahren, es ging um irgendeinen Artikel bezüglich der Rettung älterer Filme, Filmfundstücke über die man keinerlei Informationen hat wie sie den nun belichtet wurden. Ich probierte das dann damals auch direkt mal aus, mit einem uralten Agfa irgendwas. Vielleicht ein bisschen zu uralt. Der Versuch endetet mit schickem Nichts auf dem Film. Wahrscheinlich auch nur weil ich die Sensibilität des alten Films stark überschätzt hatte. Und wie das dann so ist, und weil ich ja eh wenig Farbe mache, geriet das Ganze in Vergessenheit.

Bis vor ein paar Wochen. Beim aufräumen fiel mir eine Planfilmkassette in die Hände. Ektachrome  200 stand als Notiz drauf. Zwei Jahre lag die Kassette so rum… kann passieren ;) Also ein neuer Versuch und siehe da, sehr zufriedenstellend.

Ektachrome 200 stand development

Kodak Ektachrome 200


Das Prinzip ist recht einfach. Die C41 Chemie, in meinem Falle der Rapid Kit von Tetenal, bleibt während das ganzen Prozesses auf Zimmertemperatur (und die muss noch nicht einmal genau sein), konträr zu den sonst kuscheligen 38°C die für den Normalanwender ohne Prozessor nur schwer zu kontrollieren sind. Also, hier mal wie ich das so mache:

3 Minuten Vorwässern (Handwarm)
45 Minuten Entwicklung, hierbei die ersten 60 Sekunden mit normalen Kipprythmus
Chemie ausleeren
3 Minuten Zwischenwässern
45 Minuten Bleiche,
 hierbei die ersten 60 Sekunden mit normalen Kipprythmus
Chemie ausleeren
Fixieren nach Anleitung (diesen Schritt nur bei C41 Kits die Bleiche und Fixierer getrennt haben, der Tetenal Kit z.B. vereint Bleiche und Fixierer)
3 Minuten Zwischenwässern
3 Minuten Stab Bad

3 Minuten Endwässern
Fertig

Wie ihr seht, ziemlich einfach und eigentlich auch bombensicher. Spannend wird es im Sommer, wenn die Zimmertemperatur in meinem Dachgeschoß Arbeitszimmer sich auf die normalen Temperaturen des C41 Prozess annähert…

Wer Kits verwendet die Bleiche und Fixierer getrennt haben, der kann auch mal mit dem sogenannten „Bleach Bypass“ experimentieren. Hierbei wird einfach der Bleiche Schritt ausgelassen und direkt nach dem entwickeln fixiert.

Ektachrome 64T stand development

Ektachrome 64T

Fuji Provia 100 stand development

Fuji Provia 100

 

Ein ziemlich smoothe Lösung für C41 Faulenzer wie mich. Und für Großformat sowieso…
Viel Spaß beim ausprobieren.

 

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für den Tipp! Was meinst Du mit Handwarm? Und entwickeln bei 20 °C?
    Das möchte ich gerne mal ausprobieren. Dann könnte man selber mal crossen und so, toll.

    • Naja, „handwarm“ halt :) ist nicht wichtig wie dein ersönliches handwarm ist. Nur halt nicht eiskalt.
      „Zimmertemperatur“ ist auch son Dingen, beim einen sind es 18°C beim anderen 25°C. Ich glaube die offizielle Temperaturspanne ist bei uns zwischen 20 und 23°C. Ich hab meine noch nicht einmal gemessen. Einfach machen ;)

  2. Bin ich jetzt bereits aus der Zeit gefallen?. Ektachrome und Provia sind doch Dia-Filme für den Prozess E-6, oder etwa nicht (mehr)?
    Wie passt das mit einer C41-Entwicklung zusammen?
    Interessiert mich wirklich.
    Gruss Werner

    • Hi Werner, das nennt man dann „Cross Entwicklung“ um bewusst Farbverschiebungen zu provozieren. Sieht nicht bei allen E6 Prozess Filmen und Motiven gut aus. Aber mit Provia und Ekatchrome hab ich da gute Erfahrungen. Einfach mal googeln. Gibt viele Beispiele :)

  3. Danke Marc.
    Auf Cross-Entwicklung bin ich bei den gezeigten Beispielen gar nicht gekommen. Man sieht es ihnen eigentlich nicht an. Sie sehen so „normal“ aus.

    • Hmm, vielleicht mache ich mal nen Vergleich. Selbes Motiv und Licht. Einmal Standentwickelung Cross einmal normal Cross. Vielleicht wirkt sich die Standentwickelung hier ausgleichender aus.

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